Sozialdemokraten trauern um Annemarie Renger – Frank-Walter Steinmeier zum Tode von Annemarie Renger

Sozialdemokraten trauern um Annemarie Renger – Frank-Walter Steinmeier zum Tode von Annemarie Renger

BERLIN – Annemarie Renger, die heute nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist, hat die Nachkriegsgeschichte der SPD und die frühen Jahre der Bundesrepublik entscheidend mitgeprägt. Der stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Bundesminister des Auswärtigen, Frank-Walter Steinmeier, würdigt die verstorbene ehemalige Bundestagspräsidentin Annemarie Renger.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, verneigte sich vor dem politischen Lebenswerk der Verstorbenen. Annemarie Renger habe die Nachkriegsgeschichte der SPD und die frühen Jahre der Bundesrepublik „entscheidend mitgeprägt“, so Steinmeier.

Annemarie Renger, 1919 in Leipzig in eine sozialdemokratische Familie geboren, war nach dem zweiten Weltkrieg Privatsekretärin und engste Vertrauten des damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher. Nach dessen Tod begann sie selbst politisch aktiv zu werden und zog in den Deutschen Bundestag ein. 1972 bis 1976 war sie die erste Sozialdemokratin und erste Frau an der Spitze des Parlaments: Ihr Ziel hatte sie damit erreicht, es war „bewiesen, dass eine Frau das kann“, hatte Annemarie Renger in der Rückschau ihre Motivation erklärt.  

1979 war sie SPD-Kandidatin bei der Wahl zum Amt des Bundespräsidenten, unterlag damals aber Karl Carstens. Bis 1990 war sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, blieb aber auch nach ihrem Rückzug aus dem Parlament bis zu ihrer schweren Erkrankung für mehr als 20 Organisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund als Vorsitzende aktiv.

Annemarie Renger stammte aus einer ursozialdemokratischen Familie, seit frühester Kindheit hatte ihr Vater, Fritz Wildung, ihr das Interesse an Politik vermittelt. Sie wurde am 7. Oktober 1919 in Leipzig geboren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde sie wegen der sozialdemokratischen Gesinnung ihrer Familie vom Lyzeum verwiesen. Der Kampf gegen die nationalsozialistische Diktatur für Freiheit und Gerechtigkeit begründeten ihr Geschichtsbewusstsein und ihre lebenslange Verantwortlichkeit für unser Gemeinwesen.  

Sie trat 1945 in die SPD ein und arbeitete nach dem Krieg als engste Mitarbeiterin an der Seite von Kurt Schumacher. Nach seinem frühen Tod wurde sie 1953 Mitglied des Deutschen Bundestages, dem sie bis 1990 angehörte. Unter ihrer Ägide wurden eine Fülle von parlamentarischen Initiativen in die Wege geleitet. Eine der wichtigsten war die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit für Frauen und Männer. Mit ihrer Amtsführung als erste Präsidentin des Deutschen Bundestages von 1972 bis 1976 hat sie sich große Anerkennung bei allen im Bundestag vertretenen Parteien erworben.
 
Annemarie Renger war eine sehr kompetente, durchsetzungsstarke und erfahrene Mitstreiterin. Sie war sachorientiert und unbeirrbar, wenn sie etwas als richtig erkannt hatte. Ihr lebenslanges Eintreten für die Aussöhnung mit Israel und ihr großer Einsatz gegen jede Art von Neonazismus und Fanatismus waren von tiefer innerer Überzeugung getragen. 

Die deutsche Sozialdemokratie ist dankbar dafür, dass Annemarie Renger eine der ihren war. Steinmeier: „Wir trauern mit Ihrer Familie um eine herausragende Politikerin und eine liebenswürdige Persönlichkeit“.  

„Wir werden Annemarie Renger nicht vergessen“, so der Außenminister und Vizekanzler Steinmeier in seinem Kondolenzschreiben an die trauernde Familie.

Veröffentlicht am 03.03.2008 von Peter Martens