Verein kämpft ums Überleben – SPD-Landtagsfraktion besucht Osthofener Verein „Mit Jugend gegen Drogen“/Unterstützung nötig

Verein kämpft ums Überleben – SPD-Landtagsfraktion besucht Osthofener Verein „Mit Jugend gegen Drogen“/Unterstützung nötig

OSTHOFEN Im Rahmen einer Klausurtagung besuchte der Arbeitskreis Soziales der SPD-Landtagsfraktion das Wohn- und Arbeitsprojekt „CasaNova“ des Vereins „Mit Jugend gegen Drogen“ in Osthofen, ein Projekt zur sozialen und beruflichen Reintegration für Suchtkranke. Die ortsansässige Abgeordnete Kathrin Anklam-Trapp, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises, betonte, wie wichtig dieser Besuch sei, denn der Verein befinde sich seit geraumer Zeit in einer prekären finanziellen Situation und sei auf die weitere Hilfe des Landes angewiesen.

Die Parlamentarierin hatte im Vorfeld eine Kleine Anfrage zum Thema Drogenmissbrauch in den Landtag eingebracht und wollte nun die Gelegenheit nutzen, um vor Ort mit den zuständigen Beratungsstellen über die Problematik zu diskutieren. Dass das Problem Drogenmissbraucht in Rheinland-Pfalz besteht, daran ließ Anklam-Trapp keinen Zweifel: Immerhin 17 260 Rauschgiftdelikte hat die Polizei in Rheinland-Pfalz im Jahr 2007 bearbeitet, wie die Abgeordnete mitteilte. Marianne Grosse, Vorsitzende des Arbeitskreises Soziales der SPD-Landtagsfraktion, unterstrich, wie wichtig die Arbeit vor Ort sei und forderte, die Problematik stärker in den gesellschaftlichen Fokus zu richten.

Mangelndes öffentliches Interesse bekommt auch „Mit Jugend gegen Drogen e.V.“ zu spüren. „Wir pfeifen finanziell auf dem letzten Loch“, brachte der stellvertretende Vereinsvorsitzende und SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus

Hagemann ohne Umschweife die Situation auf den Punkt, als sich die Arbeitskreismitglieder im „CasaNova“, eine der Außenstellen des Vereins, umschauten. „Wir haben auch nach 35 Jahren nur etwa 40 Mitglieder“, erläuterte Vorsitzender Ebert und nannte auch gleich den Grund dafür: „Unsere Klientel hat ein zu geringes Mitleidspotential.“ Neben dem Projekt in Osthofen betreibt „Mit Jugend gegen Drogen e.V“. je eine Beratungsstelle in Worms und engagiert sich in der Betreuung von Drogenabhängigen in der JVA Frankenthal.Insbesondere die steigenden Kosten für Lohn, Sachausgaben und Energie bereiteten dem Verein große Sorgen, verdeutlichte Hagemann.

In diesem Zusammenhang beklagte er auch die immer wiederkehrenden Verhandlungen Finanzierungsfragen. Auch die Kooperation mit der Arbeitsverwaltung könne besser sein. Dabei leistet der Verein sehr viel Wichtiges. Geschäftsführer Eberhard Speidel verdeutlichte der Landtagsdelegation die dramatische Zunahme der Zahl derjenigen, die die Beratungsstellen aufsuchen: „Als der Verein 1973 gegründet wurde, bearbeitete die Polizei rund 75 Drogenfälle in unserem Einzugsbereich, heute sind es über 500“, präzisierte der Vereinsvorsitzende Hans-Dieter Elbert anhand von Zahlen.

Durch die steigende Zahl der Abhängigen gewännen Wiedereingliederungsprojekte wie das „CasaNova“ immer mehr an Bedeutung, betonte Hagemann. In diesem Zusammenhang wurden auch Zweifel an der gesetzlich verordneten Kürzung der Therapiezeiten laut. Diese wurde von 18 auf fünf bis sechs Monate reduziert, brächte im Endeffekt aber keine Ersparnis, da die verkürzte Therapiezeit die Therapieziele gefährde.Die SPD-Landtagsabgeordneten zeigten sich beeindruckt von der vielfältigen Arbeit, die der Verein leistet. Denn über die Beratung hinaus gibt es auch ein Substitutionsprogramm, das von einem Arzt betreut wird sowie die Möglichkeit der Schuldnerberatung.

Mit insgesamt 86300 Euro unterstützte das Land Rheinland-Pfalz das Projekt im Jahr 2007. „Wir möchten uns auch insbesondere dafür einsetzen, dass in Sachen Schuldnerberatung mehr Stellen geschaffen werden“, sagte Anklam-Trapp abschließend. Die langen Wartezeiten seien für die Betroffenen nicht zumutbar, deshalb werde sich der Arbeitskreis dafür einsetzen, dass in den nächsten Haushalt entsprechend Mittel eingestellt würden, bekräftigte auch die Arbeitskreisvorsitzende, Marianne Grosse.

Veröffentlicht am 18.09.2008 von Peter Martens