„Drei Säulen-Bankenmodell bewährt sich“/Staatliche Regulierung notwendig – MdB Hagemann diskutiert mit Sparkassen-Vorstand aktuelle Banken- und Finanzkrise

„Drei Säulen-Bankenmodell bewährt sich“/Staatliche Regulierung notwendig – MdB Hagemann diskutiert mit Sparkassen-Vorstand aktuelle Banken- und Finanzkrise

BERLIN/ALZEY-WORMS „Die aktuelle Banken- und Finanzkrise zeigt, dass die soziale Marktwirtschaft ohne staatliche Regulierungen und Kontrollen nicht funktioniert“, war sich der Bundestagsabgeordnete Klaus Hagemann (SPD) einig mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, Michael W. Schmidt, und seinem Vorstandskollegen Franz Horch bei einer Gesprächsrunde in der Wormser Sparkasse.

So seien zwar die Sparkassen mit „Omas Sparbuch“ immer wieder als „von vorgestern“ kritisiert worden, das Einhalten von kaufmännischen Regeln und ein solides Geschäftsmodell sichere jedoch die Einlagen bei den Sparkassen und trage seit jeher und erst Recht heute zu einer Stabilisierung des Bankensystems bei, ergänzte Schmidt. Gerade jetzt bewähre sich das deutsche Drei-Säulen-Modell aus Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken, das sich in der Vergangenheit immer wieder Privatisierungsvorgaben seitens der EU-Kommission widersetzen konnte, sagte der SPD-Bundespolitiker. Die Krise habe zudem gezeigt, dass die Ideologie des ungezügelten Kapitalismus und der „reinen Marktgläubigkeit“ am Ende sei.

Vorstandsmitglied Franz Horch berichtete Hagemann, dass die Telefone der Kundenberater seit Tagen nicht mehr still stünden und sich auch lang gediente Sparkassen-Mitarbeiter nicht an einen solchen Ansturm verunsicherter Kunden erinnern könnten. Viel dazu beigetragen habe auch die Gerüchtebildung, der teilweise auch über die Medien Vorschub geleistet worden sei. Die Garantie von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, dass die Spareinlagen durch den Staat gesichert sind, wurde von den beiden Sparkassen-Vorständen begrüßt und stütze die Argumentation der Kundenberater.

Die Vorstände bestätigten nochmals, dass die Gelder der Kunden bei der Sparkasse ohne betragsmäßige Begrenzung abgesichert seien und betonten, dass es nie auch nur Überlegungen gab, mit Banken wie „Lehmann“ als Partner für Bankgeschäfte einzusteigen. „Wir bieten auch keine Finanzprodukte an, die wir selbst nicht verstehen“, sagte Schmidt. Das Kreditgeschäft, über das insbesondere der Mittelstand weiter mit Mitteln versorgt werde, um Arbeitsplätze in der Region zu sichern und zu schaffen, laufe weitgehend ruhig weiter. Und in den vergangenen Tagen seien mehr Kapitalzuflüsse zur Sparkasse hin als Abflüsse zu verzeichnen. Dennoch berührten die gegenwärtigen Turbulenzen die Sparkasse durch die allgemeine Unruhe und insbesondere durch den Vertrauensverlust im Handel zwischen den Banken.

Übernationale Bankenaufsicht notwendig

Von besonderem Interesse war für Hagemann auch die Einschätzung der Fachleute zur staatlichen Bankenaufsicht durch Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Diese Kontrolle sei insbesondere in den vergangenen Jahren streng und regelmäßig erfolgt, was die beiden Vorstände aber nie als überzogen empfunden haben. „Die Systeme der Überwachung sind aber leider nicht einer immer stärker verflochtenen internationalen Finanzwelt gefolgt“, sagte Schmidt und plädierte zusätzlich für eine übernationale Bankenaufsicht.

Ebenso seien die Rating-Agenturen ein Teil des Problems. Ihre Einsichten in die Finanzwelt würden überschätzt, niemand kontrolliere diese Agenturen und am Ende könnten sie auch nicht haftbar gemacht werden. Hagemann sagte zu, diese Hinweise bei den weiteren Diskussionsrunden im Bundestag mit einzubringen. Der Haushaltsausschuss, in dem Hagemann Mitglied ist, sei im Übrigen federführend beim Schnüren des 500 Milliarden Euro schweren Rettungspakets. Ein nicht zu vernachlässigendes dringendes Gebot sei schließlich aus Schmidts Sicht auch, bereits in den Schulen die Grundlagen des Wirtschafts- und Finanzsystems viel intensiver als bisher zu vermitteln.

Marco Sussmann

Veröffentlicht am 16.10.2008 von Peter Martens