Gedächtnis der Stadt sichern – Hagemann und SPD-Stadtratsfraktion diskutieren über Zukunft des Osthofener Stadtarchivs

Gedächtnis der Stadt sichern – Hagemann und SPD-Stadtratsfraktion diskutieren über Zukunft des Osthofener Stadtarchivs

OSTHOFEN „Das Osthofener Stadtarchiv ist ein ungeschmälertes und vollständiges Zeugnis der Stadtgeschichte und weitaus größer, als dies in anderen Gemeinden der Region der Fall ist“, war der Leiter des Wormser Stadtarchivs, Dr. Gerold Bönnen, begeistert. Anlässlich der 1225-Jahr-Feier der Stadt Osthofen hatte die SPD-Stadtratsfraktion zu einer öffentlichen Fraktionssitzung eingeladen, um über die Zukunft des Osthofener Archivs mit Fachleuten und Bürgern zu diskutieren. Dazu konnten Fraktionsvorsitzender Kai Kronauer und sein Stellvertreter, SPD-Ortsvereinsvorsitzender Alexander Ebert, neben dem Wormser Archivdirektor den früheren Osthofener Bürgermeister und heutigen Bundestagsabgeordneten Klaus Hagemann, Walter Konrad als ehrenamtlichen Archivar sowie den Historiker Thomas Goller sowie weitere Mitglieder des Vorstandes Kulturnetzwerk Osthofen e.V. als Fachreferenten begrüßen.

„Osthofen ist nicht gleich Köln“, so Klaus Hagemann, der auf das Unglück des Archivgebäudes der Domstadt am Rhein aufmerksam machte. Auch wenn in Osthofen keine U-Bahn fahren werde, so sei es dennoch wichtig zu gewährleisten, dass das herausragende und wichtige Archivmaterial richtig gesichert und gelagert ist. Ebenso wollte Hagemann von Bönnen wissen, was das besondere am Archiv der Stadt Osthofen ist. „Schließlich handelt es sich hierbei um das Gedächtnis der Stadt, welches in die Zukunft fortgeschrieben wird“, so der SPD-Bundespolitiker.

 

Dazu konnte der Wormser Historiker Dr. Gerold Bönnen den Osthofenern bescheinigen, dass es sich um ein „ungewöhnliches und reichhaltiges Archiv“ handelt. Es sei durch die beiden Weltkriege hindurch nahezu gut erhalten geblieben. „Kriegszerstörung lässt sich für Osthofen nicht feststellen“, so Bönnen. Bemerkenswert sei auch, dass das Osthofener Stadtarchiv ein gut erhaltenes Vereinsarchiv besitzt.

 

Um die historischen Überlieferungen auch weiterhin für die nachfolgenden Generationen erhalten zu können, bedarf es jedoch einiger Maßnahmen. Bönnen bot für das Osthofener Stadtarchiv auch Hilfestellung an. Dazu zählte er beispielsweise Schulungen des ehrenamtlichen Personals und die weitere Erschließung des Archivmaterials auf. Die Erfassung mittels EDV oder eine Veröffentlichung im Internet sei ebenso möglich und notwendig. Auch sollten die Bürger das Archiv zukünftig nutzen können. Bönnen setzt jedoch dafür voraus, dass Benutzerregeln aufgestellt und damit auch der Datenschutz gewährleistet werden.

 

Der langjährig ehrenamtlich tätige Archivar und das Vorstandsmitglied des Kulturnetzwerk Osthofen e.V., Walter Konrad, ging für die interessierten Anwesenden auf die Geschichte des Stadtarchivs ein. Es werden hauptsächlich „31 laufende Meter“ an Akten, teilweise aus dem 15. Jahrhundert, aufbewahrt. In den 50iger Jahren sollte dann das Archiv nach Worms abgegeben werden, was jedoch der damalige Bürgermeister Albert Fischer erfolgreich verhindern konnte.

 

Weiteres historisches Material

 

Als weiteres historisches Material für die Stadt Osthofen bezeichnete Klaus Hagemann das Privatarchiv der Familie May-Weißheimer. Dazu konnte der Historiker Thomas Goller über seinen Vorfahren und früheren Osthofener Bürgermeister Johann Weißheimer berichten. Einst als zweiter gewählter Bürgermeister Osthofenes hat Weißheimer eine rund 3000 Seiten umfassende Chronik verfasst. „Damit hat er das geschichtliche Mittelalter Osthofens rekonstruiert und festgehalten“, so der Nachfahre Weißheimers. Im Rahmen seiner Examensarbeit hat Goller die handschriftlich verfasste Chronik, aber auch Kompositionen der Musiker Wendelin Weißheimer und Richard Wagner digitalisiert und das historische Geschichtsmaterial für die Nachwelt gesichert. Gollers Anliegen ist es, das gesamte Material in naher Zukunft zu publizieren. Der Bundestagsabgeordnete Hagemann sicherte ihm hierfür bei der Suche nach Sponsoren seine Unterstützung zu. Einer Meinung waren Fachleute darüber, dass das Archiv für die Zukunft weiterhin erhalten bleiben muss.

 

Wichtiges Kulturnetzwerk

Rund 40.000 Euro habe das Kulturnetzwerk Osthofen allein an Spendengeldern investiert, um das Wingerthäusschen „Leckzapfen“ zu restaurieren. Dazu erhielten die Verantwortlichen von der Landesdenkmalpflege einen Zuschuss über 10.000 Euro. Als weitere Projekte nennt Thomas Goller die Phasenkartierung Osthofens. „Das ist für unsere Region einmalig und zugleich exemplarisch. Selbst die Stadt Worms verfügt nicht über dieses Kartierungsverfahren ihrer Geschichte“, stellen die Historiker fest. „So etwas finden sie weit und breit nicht. Geradezu sensationell“, zeigt sich der Wormser Archivdirektor Bönnen darüber begeistert.

 

Bild: Über die Zukunft des Osthofener Archivs diskutierten der Osthofener Archivar Walter Konrad, SPD-Fraktionsvorsitzender Kai Kronauer, SPD-Ortsvereinsvorsitzender Alexander Ebert, MdB Klaus Hagemann, der Leiter des Wormser Stadtarchivs, Dr. Gerold Bönnen sowie Dr. Herbert Goller vom Osthofener Kulturnetzwerk mit Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer öffentlichen Fraktionssitzung.

 

Alexander Ebert

Veröffentlicht am 18.03.2009 von Peter Martens