Mit „Coolness“ Konflikte lösen – Erfolgreiches „Coolnesstraining“ an Wonnegauschule

Mit „Coolness“ Konflikte lösen – Erfolgreiches „Coolnesstraining“ an Wonnegauschule

OSTHOFEN Weniger Gewalt, weniger Diebstähle und mehr gegenseitiger Respekt sind Ergebnis des so genannten „Coolnesstrainings“ an der Wonnegauschule in Osthofen. Seit Januar 2008 läuft das Anti-Aggressions-Projekt in Osthofen, das von der „Globus“-Stiftung gefördert wird. Schulleiterin Waltraud Fahl zog im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Klaus Hagemann (SPD), der zuvor selbst eine Unterrichteinheit mit den „Coolness“-Trainern erleben durfte, jetzt eine erste Bilanz. Das Projekt läuft noch bis Januar 2010, eine Verlängerung sei laut Fahl angestrebt.

Ausgangspunkt seien zunehmende Gewalt- und Eigentumsdelikte, „Gang-Bildung“ sowie verbale Aggressionen auch gegen Lehrerinnen gewesen, berichtete die Schulleiterin. Das Training wurde daraufhin zunächst in den Klassen eingeführt, in denen die größten Verhaltensprobleme auftraten. In einem ersten Teil wurden überschaubare und einfache Regeln getroffen, die Schüler mit den Folgen von Regelverstößen konfrontiert sowie nachhaltige Sanktionen entwickelt und konsequent angewendet. In einem zweiten Schritt wurden dann gemeinsam mit den „Coolnesstrainern“ Verhaltensweisen in konkreten Konfliktsituationen analysiert und gemeinsam Strategien für ein konfliktfreies Miteinander erarbeitet. Die beiden Trainer Emanuel Giuliano und Rainer Frisch sind dabei zwei erfahrene und gestandene Persönlichkeiten, die aus ihren früheren Erfahrungen mit Gewalt gelernt haben und diese nun an die Schüler weiter geben. „Wir machen dabei das meiste über die emotionale Schiene“, berichtet Giuliano im Gespräch mit Hagemann. Dabei sind bei den Übungen gezielte Beleidigungen zur Provokation nicht ungewöhnlich. Ergänzt wird das „Coolnesstraining“ durch ein wöchentliches Selbstverteidigungsprogramm, das besonders zurückhaltende und ängstliche Schüler stärken und ihren Umgang mit Übergriffen schulen soll. 

    

Weniger Regelverletzungen

 

Auch das Lehrerkollegium wurde in das Projekt mit eingebunden. Das Kollegium habe dann auch eine straffere Schulordnung mit einem klaren Maßnahmenkatalog entwickelt. „Die jungen Menschen haben ein klareres Bild davon gewonnen, welche Regeln das Zusammenleben in der Schule positiv beeinflussen und welche Verhaltensweisen inakzeptabel sind“, bilanziert Fahl. Schwächere Schüler seien gestärkt worden und hätten den Mut gefunden, sich zu offenbaren und um Unterstützung zu bitten. Das „Coolnesstraining“ sei inzwischen auch Bestandteil des Ganztagschulprogramms, an dem derzeit 66 von insgesamt 78 Schülern teilnehmen.

 

Ein wichtiges politisches Thema ist für Hagemann ungeachtet dessen das warme Mittagessen und die Frage, wie viele Kinder nicht daran teilnähmen, weil es sich die Eltern nicht leisten könnten. Davon gebe es auch an der Wonnegauschule einige, berichtete Fahl. Aus ihrer Sicht sei die Dunkelziffer dabei hoch. Gründe sieht die Schulleiterin zum einen darin, dass die Vordrucke für die finanzielle Unterstützung oft schwer verständlich formuliert seien und zum anderen sich manche Eltern schämten, ihren Bedarf offenzulegen.   

Bild: Eine Übung zur Entspannung und zur Stärkung des Teamgeistes lernten die Schüler der Wonnegauschule und MdB Hagemann (Bildmitte) von den beiden „Coolnesstrainern“ Rainer Frisch (2. v. rechts) und Emanuel Giuliano (rechts).

Marco Sussmann

Veröffentlicht am 22.06.2009 von Peter Martens