Müller: „Bin mehrfach erschrocken“ – S-BAHN Osthofen muss fast eine Million Euro mehr bezahlen

Müller: „Bin mehrfach erschrocken“ – S-BAHN Osthofen muss fast eine Million Euro mehr bezahlen

(Manfred Janß, WZ) „Die haben uns noch mal richtig eingeschenkt. Ich habe im Moment noch keine Ahnung, wie wir das stemmen sollen“, lässt Stadtchef Bernd Müller keinen Zweifel daran, was er von der aktuellen Kostenentwicklung beim S-Bahn gerechten Ausbau der Stationen zwischen Mainz und Worms hält.

Satte 936 000 Euro soll allein die Stadt Osthofen für Planung und Bauarbeiten mehr hinlegen als vor zwei Jahren vorgesehen. Die Baukosten, sie trägt zu 85 Prozent das Land, kletterten von 3,78 Millionen auf nun 4,53 Millionen Euro. Die Kosten für die Planung von 907 000 Euro auf 1,088 Millionen Euro. Insgesamt muss Osthofen nach derzeitigem Stand rund 5,62 Millionen Euro für den Anschluss an die S-Bahn bezahlen. Dazu hat die Bahn einen Risikozuschlag von zehn Prozent vorsorglich gleich mit angekündigt.

 

Vor kurzem war der Osthofener Stadtchef über die Kostenentwicklung bei einem Gespräch in der VRN-Zentrale in Mannheim informiert worden. „Ich bin gleich mehrfach erschrocken, als ich die Zahlen gesehen habe“, gibt Bernd Müller unumwunden zu. Vor zwei Jahren hatten die Bürgermeister entlang der Strecke zu verstehen gegeben: „S-Bahn-Anschluss ja, aber nicht um jeden Preis.“

 

Mehrkosten ohne Kredite nicht finanzierbar

 

„Eigentlich ist bei uns jetzt Schluss. Ohne zusätzliche Kredite können wir die Mehrkosten nicht aufbringen. Das muss jetzt erst mal im Ausschuss und im Stadtrat diskutiert werden“, meint der Stadtchef. Vor allem beim Anstieg der Baukosten schüttelt er nur den Kopf. „Also, ich komme da nicht mehr mit. Unter anderem begründet die Bahn das mit dem schlechten baulichen Untergrund, der jetzt festgestellt wurde. Nur ein paar Meter weiter wird doch aber die Unterführung gebaut, da weiß man doch, wie der Untergrund aussieht“, findet Bernd Müller.

 

Für Mettenheim, dort hält sich der bauliche Aufwand in Grenzen, reduzieren sich nach Auskunft der Kreisverwaltung die Kosten etwas. Konkrete Zahlen für Alsheim liegen derzeit noch nicht vor. Als einzige Gemeinde entlang der Strecke hat sie noch keinen Vertrag mit der Bahn unterzeichnet. „Ich unterschreibe keinen Blankovertrag, ohne genaue Zahlen zu kennen. Es kann für mich nicht sein, dass sich die Gemeinde auf Jahre verschuldet, um einen S-Bahn-Anschluss zu bekommen und dann für andere dringende Aufgaben kein Geld mehr hat“, steht für Ortsbürgermeister Wolfgang Hoffmann fest. Zwar bedeute ein S-Bahn-Halt für eine Gemeinde und auch deren Umland zweifellos eine enorme Aufwertung. „Aber wenn dann finanziell sonst nichts mehr geht, kann das nicht sein“, sagt der Ortschef klipp und klar.

 

Für höheren Zuschuss muss Kreistagsbeschluss her

 

Ob der Landkreis wegen der aktuellen Entwicklung seinen Zuschuss aufstockt, ist offen. „Dazu müsste ein neuer Kreistagsbeschluss her. Außerdem hat die ADD bereits angemahnt, freiwillige Leistungen, und der Zuschuss ist eine solche, seien eigentlich nicht mehr drin angesichts unserer Haushaltslage“, berichtete Pressesprecher Marco Sussmann. In die Diskussion hat sich auch der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Günther mit einer Kleinen Anfrage eingeschaltet. Er findet es ein Unding, dass die Landesregierung die Kommunen bei den enormen Planungskosten „im Regen stehen lässt“.

Veröffentlicht am 25.07.2011 von Peter Martens