Osthofener SPD-Bürgermeisterkandidat zieht Bewerbung zurück

Osthofener SPD-Bürgermeisterkandidat zieht Bewerbung zurück


(WZ) Kai Kronauer hat seine Bewerbung für das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters in Osthofen zurückgezogen. Gleichzeitig legte er in einem Schreiben vom Donnerstag den Vorsitz der SPD-Stadtratsfraktion, sein Ratsmandat sowie seine Mitgliedschaft in sämtlichen städtischen Gremien nieder.

„Teile meiner Partei haben mich persönlich für das Ergebnis des Bürgerentscheids im März dieses Jahres verantwortlich gemacht, obwohl die von der SPD forcierten Ziele von der gesamten Fraktion und dem Parteivorstand einstimmig befürwortet und getragen wurden“, begründet er seinen Entschluss. Er sei überdies aufgefordert worden, seine Bewerbung als SPD-Bürgermeisterkandidat zurückzuziehen und Verantwortung zu übernehmen. Der SPD bleibe er jedoch erhalten. „Ich gehe nicht im Zorn, aber ich ziehe die Konsequenzen aus der aktuellen Entwicklung“, erklärte er am Freitag gegenüber der WZ. Er sei stets mit Herzblut bei der Sache gewesen, aber er wolle jetzt erst einmal politisch eine Pause einlegen, sich mehr dem Privatleben und anderen Projekten widmen wie etwa ‚Bürger-für-Bürger‘.

Die Osthofener Genossen hatten bereits im Februar 2011 die Katze aus dem Sack gelassen und mit Kai Kronauer ihren Bewerber für das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters bekannt gegeben. Seinerzeit war davon ausgegangen worden, dass es zu einem Zusammenschluss mit der VG Eich kommt und im Oktober 2011 der Stadtchef gewählt wird. Mit dem Bürgerentscheid zugunsten der VG Westhofen als Partner jedoch hatte sich die Situation völlig verändert – auch politisch, denn die VG Eich ist SPD-geführt, in der VG Westhofen ist die CDU stärkste Kraft. „Es wird mir persönlich angelastet, wie die Bürger sich entschieden haben. Es gab kontinuierlichen Druck aus Teilen des SPD-Vorstands, es war hartnäckig gebohrt worden“, berichtete Kronauer, dem die Enttäuschung anzumerken war. Seine Entscheidung sei jedoch keine Kurzschlussreaktion. „Ich habe mir das gut überlegt und auch mit meiner Familie darüber gesprochen“, sagte er.

„Ich finde diese Entscheidung sehr bedauerlich und kann sie nur zur Kenntnis nehmen, aber ich muss sie akzeptieren. Sie kam auch sehr überraschend“, reagierte der Osthofener SPD-Vorsitzende Alexander Ebert gegenüber der WZ auf Kronauers Entschluss. Es habe seitens der Partei keine Vorwürfe gegen Kai Kronauer gegeben, die SPD stehe nach wie vor hinter dem Bürgerentscheid. Gleichwohl seien die 83 Prozent der abgegebenen Stimmen zugunsten der VG Westhofen ein „gewaltiger Tritt gegen den Karren“ gewesen, räumte er ein.

Trotzdem: „Diese Entscheidung hat er allein getroffen, niemand aus der Partei hat ihn hinausgeschoben. Die Signale kamen eher aus der Bevölkerung, wir haben ihm gegenüber nur angeregt, einmal darüber nachzudenken“, beteuerte der SPD-Vorsitzende. Allerdings gestand er auch ein: „Kai Kronauer ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht der richtige Kandidat, aber er könnte eine Option für 2014 sein, wenn bei der Kommunalwahl regulär der Bürgermeister gewählt wird.“

Wer nun für die SPD bei der anstehenden Bürgermeisterwahl ins Rennen geht, ist offen. Wie Ebert ankündigte, werde es noch im August eine Vorstandssitzung geben, bei der auch die Kandidatenfrage besprochen werde. „Wir wollen in dieser Frage aber keinen Schnellschuss“, sagte er. Dringlich ist dagegen die Suche nach einem neuen Fraktionsvorsitzenden, denn der Stadtrat tagt noch im August. In der nächsten Fraktionssitzung am 20. August soll daher, wenn möglich, schon eine Entscheidung fallen. „Sein Rücktritt aus dem Stadtrat wäre nicht notwendig gewesen“, beschrieb Alexander Ebert, wie hart Kai Kronauer die Genossen mit seinem Entschluss offenbar getroffen hat.

Veröffentlicht am 11.08.2012 von Alexander Ebert