„Schauen, was bezahlbar ist“

„Schauen, was bezahlbar ist“

(WZ) Es ist ein Projekt, das im Eiltempo durchgezogen werden soll und eines, gegen das sich breiter Widerstand unter den Osthofener Bürgern regt. Der Ausbau der L 439 beziehungsweise der Herrnsheimer Straße stößt den Anliegern, die eine weitere Zunahme des ohnehin schon starken Verkehrs und dadurch noch mehr Lärm, Abgase und Raserei befürchten, so sauer auf, dass sie eine Bürgerinitiative (BI) gründen und dem, für den Ausbau zuständigen, Landesbetrieb Mobilität (LBM) Bedingungen stellen wollen.

Genau das will auch der Osthofener Stadtrat, der einen Katalog von Forderungen beschlossen hat – unter anderem werden Geschwindigkeitsbegrenzungen, Blitzer oder Fahrbahnverschwenkungen gefordert – und mit dem LBM über die konkrete Umsetzung des Ausbaus verhandeln will (die WZ berichtete).

Das Problem dabei: Bereits im September sollen auf dem Teilstück der L 439 die Bagger rollen, sodass die Zeit für Nachverhandlungen knapp wird. Ein Umstand, der im Stadtrat bereits für die eine oder andere kritische Äußerung gesorgt hat. Etwa bei Klaus Mehring (FWG). „Wir in der FWG waren überrascht von der Ankündigung des LBM, den Straßenausbau so kurzfristig vorzunehmen, so bleibt für den Stadtrat und die Bevölkerung kaum noch Zeit zu reagieren“, meinte der Freie Wähler in der jüngsten Ratssitzung am Montag.

Befürchtungen, die durchaus berechtigt erscheinen. Auf Anfrage der WZ, ob sich die Forderungen aus Osthofen angesichts des knappen Zeitplans überhaupt noch umsetzen lassen, meint Behördenleiter Bernhard Knoop: „Das Land will eine marode Landesstraße auf einem relativ langen Teilstück in Ordnung bringen, das hat oberste Priorität. Man kann viel Geld für Dinge ausgeben, die man sich wünscht, gleichzeitig muss man aber auch die Realität sehen und schauen, was bezahlbar ist.“

Gänzlich unumstößliche Fakten in Sachen Ausbau hat der LBM noch nicht geschaffen. „Die Ausschreibung läuft, derzeit liegen uns allerdings noch keine Angebote von Firmen vor“, berichtet Knoop. Klar sei allerdings, dass die entsprechenden Aufträge an Baufirmen im September vergeben werden sollen. Und: „Der Baustart soll so schnell wie möglich nach der Auftragsvergabe erfolgen, sobald die von uns beauftragten Firmen disponiert, Arbeiter und Maschinen bereitgestellt haben.“

Aussagen, die bei Osthofens 3. Beigeordneten Alexander Ebert (SPD), der den urlaubenden 1. Beigeordneten Wolfgang Itzerodt vertritt, aufhorchen lassen. „Klar müssen wir in die Pötte kommen und kucken, dass wir in den Verhandlungen mit dem LBM das Bestmögliche rausholen“, sagt Ebert mit Blick auf die immer knapper werdende Zeit. „Deswegen haben wir von der SPD am Montag versucht, im Stadtrat Maximalforderungen umzusetzen, mit denen wir an den LBM herantreten, leider ist uns das nicht ganz gelungen“, erinnert der Beigeordnete an die jüngste Sitzung des Stadtrats. CDU, FWG und Teile der SPD hatten mit ihren Stimmen dafür gesorgt, dass der Stadtrat nicht auf der Einführung einer Tempo-30-Zone in der Herrnsheimer Straße besteht. Eine Prognose, welche der Forderungen des Stadtrats letzten Endes umgesetzt werden, wollen weder LBM-Chef Berhard Knoop noch Alexander Ebert wagen. „Das kann man noch nicht abschätzen“, meint Knoop. Und Ebert? Der hatte, wie auch Wolfgang Itzerodt schon am Montag durchblicken lassen, dass die Stadt erst mal verhandeln und dann weitersehen wolle.

Veröffentlicht am 30.08.2012 von Alexander Ebert