Amtssitz ist nun amtlich

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Amtssitz ist nun amtlich

Historischer Ratssaal im Alten Rathaus(WZ, Janß) Das historische Rathaus neben der Kleinen Kirche in der Friedrich-Ebert-Straße wird das Domizil des ehrenamtlichen Osthofener Stadtbürgermeisters. Das ist nun sozusagen „amtlich“. Der Stadtrat habe einem entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion zugestimmt, wie der Erste Beigeordnete Wolfgang Itzerodt aus der nicht öffentlichen Sitzung gegenüber der WZ berichtete.

Für die SPD gibt es mehrere Gründe, die aus ihrer Sicht dafür sprechen, im Obergeschoss des barocken alten Rathauses Räume für den ehrenamtlichen Stadtchef und die Verwaltung anzumieten.

Auch historische Gründe

Wie bereits in der WZ berichtet, haben der Steuerberater Markus Seibert und der Architekt Jörg Deibert das zu diesem Zeitpunkt völlig marode Gebäude gekauft und sanieren es von Grund auf. Die öffentliche Fraktionssitzung im historischen Ratssaal habe klar gezeigt, dass zum einen historische Gründe, aber auch die Identifikation der Bürger in Osthofen dafür sprächen, dass sich die künftige Stadtverwaltung sich im alten Rathaus einmiete, begründet die SPD-Fraktion ihren Antrag.

Aus Sicht der Genossen ist nun Eile geboten bei der Ausarbeitung eines Mietvertrages zwischen der Stadt und den Eigentümern, „um dann sehr schnell das Rathaus Am Schneller zu räumen und Verwaltungsteile der künftigen Verbandsgemeinde im Bürgerhaus unterbringen zu können“, erklären die Genossen. Wie berichtet, wird die Verwaltung der Verbandsgemeinde Wonnegau ins jetzige Rathaus einziehen, das jedoch energetisch saniert und umgebaut werden muss. Um das, wie Wolfgang Itzerodt sagte, „ambitionierte Ziel“, bis zum 1. Juli 2014 fertig zu sein, muss schnellstmöglich mit dem Umbau begonnen werden. Zu diesem Datum tritt die Kommunal- und Verwaltungsreform und damit die VG Wonnegau in Kraft. Ein Teil der jetzt bereits zusammengelegten Verwaltungen der Stadt Osthofen und der VG Westhofen wird während des Umbaus ins Obergeschoss des Bürgerhauses ausgelagert, ein Teil des Stadtarchivs wird im Untergeschoss verstaut.

Danach, erklärt die SPD-Fraktion in ihrem Antrag weiter, solle das Bürgerhaus weiter den Bürgern, Vereinen und Institutionen zur Verfügung stehen. Ein Nutzungskonzept könne während der Umbauphase Am Schneller erarbeitet werden. „Jetzt herrscht endlich Klarheit“, zeigte sich Architekt Jörg Deibert gegenüber der WZ erleichtert. Zwar hätten er und sein Partner und das Team aus dem Kulturnetzwerk von Anfang an daran geglaubt, dass sie es schaffen würden, aber nun seien alle froh, dass alles so ausgegangen sei.

Als nächste Schritte stehen nun Kauf und Abriss der Schlecker-Immobilie in der Ludwig-Schwamb-Straße neben der Kleinen Kirche an. Die Stadt führt bereits seit einiger Zeit Gespräche mit der Thelen-Gruppe mit Sitz in Essen, der das Gebäude gehört. Auf der durch den Abriss entstehenden Fläche sind Parkplätze sowie Begrünung vorgesehen. Das Land hat zugesichert, Kauf und Abriss finanziell zu fördern.

Veröffentlicht am 22.03.2013 von Alexander Ebert


„Eine Frage der Geschichte“

Pressespiegel(WZ, Janß) Es geht um mehr als um ein Stein auf Stein gemauertes Gebäude. Das wurde bei der gemeinsamen öffentlichen Sitzung der Stadtratsfraktionen von SPD und FWG am Samstag im historischen Ratssaal des alten Rathauses in der Friedrich-Ebert-Straße mehr als deutlich. Im Raum steht für die Stadt, sich ins alte Rathaus einzumieten oder den Sitz des künftig ehrenamtlichen Osthofener Stadtbürgermeisters samt dem Stadtrat im Bürgerhaus in der Goldbergstraße – der ehemaligen Bismarckschule – unterzubringen, da es der Stadt ohnehin gehört.

Von der „neuen alten Osthofener Mitte“, einer Gelegenheit, die so nicht wiederkommt, war im Zusammenhang mit dem alten Rathaus am Samstagnachmittag die Rede. Aber auch von knallharter finanzieller Kalkulation, von dem, was der Stadt Osthofen finanziell möglich ist und was nicht – und was bei Kontrollorganen wie beispielsweise dem Rechnungshof durchgehen kann und was nicht.

Hans-Hermann Seelig, stellvertretender Vorsitzender der SPD Osthofen, sprach sich aus Sicht des Betriebswirts fürs Einmieten im alten Rathaus aus, das Architekt Jörg Deibert und sein Kompagnon, der Steuerberater Markus Seibert, gekauft haben und aufwendig und von Grund auf sanieren (die WZ berichtete). „Ein Mieter ist flexibel. Im Mietpreis sind beispielsweise auch die Instandhaltungskosten enthalten, die ein Eigentümer selbst tragen muss. Natürlich bietet sich das Bürgerhaus an, weil es der Stadt gehört, aber aus Sicht der SPD ist das alte Rathaus das Rathaus der Stadt Osthofen, wenn jetzt das Rathaus Am Schneller das Rathaus der VG Wonnegau wird“, trug er vor. Zudem stünden der Stadtverwaltung im Obergeschoss des alten Rathauses acht Räume mit einer Fläche von etwa 215 Quadratmetern zur Verfügung, im Bürgerhaus seien es nur drei Räume mit rund 170 Quadratmetern.

Stimmt so nicht, widersprach FWG-Fraktionschef Klaus Mehring. Insgesamt stünden im Bügerhaus auf beiden Stockwerken rund 350 Quadratmeter zur Verfügung, die zudem meistens ungenutzt leer stünden. „Ich gebe zu, das alte Rathaus hat einen besonderen Charme und die Schlecker-Insolvenz eröffnet Gestaltungsmöglichkeiten. Aber hier gilt es auch, Sachargumente anzuwägen“, meinte er. Mit dem Bürgerhaus stehe der Stadt ein Gebäude in zentraler Lage zur Verfügung, das ihr selbst gehöre. Zudem hielt er die Größe des Ratssaales im alten Rathaus mit 55 Quadratmetern für nicht ausreichend.

„Die Größe des Ratssaals hat immer gereicht. Es ist ein Glücksfall, dass das Rathaus gekauft worden ist und jetzt restauriert wird. Ob die Stadt es anmietet oder nicht, ist auch keine Frage des Geldes, sondern der Geschichte. Hier an diesem Platz wurde über 400 Jahre lang Osthofener Geschichte geschrieben. Wir sollten deshalb ein Signal an die Eigentümer geben, dass die Stadt daran interessiert ist, das alte Rathaus zu mieten“, gab SPD-Ratsmitglied Klaus Eschenfelder ein flammendes Plädoyer ab und verwies darauf, dass es seinerzeit einen „erheblichen Instandsetzungsbedarf gab und der Schwanen sich erweitern wollte. Aber es ist nichts draus geworden“.

Mehring hatte zuvor kritisiert, die Stadt habe vor gut zehn Jahren das alte Rathaus „unter Zeitdruck vorschnell verkauft, was sich im Nachhinein als falsch herausgestellt hatte“. Er warnte deshalb davor, mit der Anmietung wieder eine vorschnelle Entscheidung zu fällen.

„Wir haben gegenüber der Stadt im August letzten Jahres ein Mietangebot abgegeben. Seither war Zeit genug, nachzudenken. Wir sind in etwa vier Wochen fertig hier mit der Baustelle und haben das Obergeschoss bisher nicht anderweitig angeboten“, erklärte Mitinvestor Markus Seibert dazu.

Veröffentlicht am 04.03.2013 von Alexander Ebert